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Das Augenhöhecamp 2016 in Frankfurt

Veröffentlicht am 14.03.2016 von Lutz Plümpe , Event

Passend zur deutschlandweiten Premiere des Films Augehöhewege am 04.03.2016 fand am 05.03. das Augenhöhecamp 2016, ein Barcamp zur Organisationsentwicklung, im DB Skydeck statt. Ich war einer der etwa 90 Besucher, und hier sind einige ausgewählte Eindrücke. Es liegt nämlich in der Natur eines Barcamps, dass viele sehr interessante Sessions parallel stattfinden…

Wer samstagmorgens um kurz nach sieben schon wieder in den ICE steigt, um sich auf den Weg nach Frankfurt zu machen, hat dafür einen guten Grund. Meiner war am vergangenen Samstag das Augenhöhecamp 2016 – ein Barcamp zur Organisationsentwicklung. Nach einer problemlosen Anreise und einer kurzen Einlasskontrolle in den Silberturm ging es mit dem Fahrstuhl in den 30.ten Stock in die Räumlichkeiten des DB Skydeck.

Kleiner Einschub: Was ist ein Barcamp?

Unter einem Barcamp oder auch manchmal Unkonferenz genannt, versteht man in der Regel eine Veranstaltung die logistisch (Teilnehmer, Räume, Verpflegung, Präsentationsmaterialien) zwar klassisch organisiert ist, bei der aber erst zu Beginn der Veranstaltung von den Teilnehmern selbst entschieden wird, welche Sessions oder Diskussionen es gibt. Der “Stundenplan” ist daher zu Beginn der Veranstaltung noch leer und wird nach einer Vorstellungsrunde gemeinsam erstellt. Die traditionelle Einteilung in Speaker/Zuhörer ist damit aufgehoben, und wer sich aktiv beteiligen möchte, kann dies grundsätzlich tun, solange das Thema von genug anderen Teilnehmern als attraktiv empfunden wird.

Nach einer kurzen Stärkung mit Kaffee und kleinen Snacks ging es in die Vorstellungsrunde des Barcamps. Alle Teilnehmer haben sich mit Vornamen (auf Barcamps und in den Räumlichkeiten des Gastgebers duzt man sich) sowie drei Schlagwörtern (Hashtags) vorgestellt. Die Möglichkeit wurde von allen kurz und sehr amüsant genutzt, so dass ein erster Eindruck entstand, was die Einzelnen antreibt.

Danach ging es über zur Planung der Sessions. In vier Räumen und sechs Zeiträumen gab es viele Möglichkeiten, die auch komplett ausgenutzt wurden. Sogar in der geplanten Mittagspause ließen sich die Teilnehmer nicht aufhalten und diskutierten munter weiter.

“Führung in digitalen Welten”.

Als meine erste Session wählte ich das Thema “Führung in digitalen Welten”. Nach einer kurzen Umorganisation des Raumes von einer klassischen Meeting-Bestuhlung hin zu einem offenen Halbkreis um ein Flipchart ergab sich eine interessante Diskussion um die Fragen, was eine digitale Führung ausmacht und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Am deutlichsten im Gedächtnis ist mir geblieben, dass sich die Regeln von Kommunikation in der digitalen Welt geändert haben. Eine Interaktion zwischen Vorstand und einfachem Mitarbeiter wird immer öfter auftreten und damit der traditionelle Filter des Mittenmanagements wegfallen. Alle Beteiligten müssen allerdings erst lernen, damit umzugehen, und das wird nur über Umwege, Irritationen und Irrtümer gehen. Nur mit einem Fehlerbewusstsein und der Bereitschaft, sich nicht davon abschrecken zu lassen, kann ein Mehrwert eines digitalen oder agilen Unternehmens erzeugt werden.

“Mitarbeiter schreiben die Regeln mit”

Die zweite Session habe ich selbst moderiert zum Thema “Mitarbeiter schreiben die Regeln mit”, in der ich vorgestellt habe, wie wir in der eBiz Consulting organisiert sind. Als Beispiel habe ich unser Unternehmenshandbuch gewählt. In diesem Dokument sind alle Regeln und Prozesse des Unternehmens dokumentiert, neben einfachen FAQs wie dem Passwort für das WLAN. Jede neue Kollegin und jeder neue Kollege liest dieses Dokument und kann im gleichen Schritt Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen einbringen. Im Unterschied zu einem demokratisch geführten Unternehmen gibt es bei uns allerdings immer noch eine Geschäftsführung mit dem letzten Wort, dem Veto-Recht.

An genau diesem Umstand entzündete sich dann auch die Diskussion, inwieweit dann unser Modell nicht nur eine Delegation von Entscheidungsoptionen innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, keine Selbstorganisation und daher nicht besser als ein x-beliebiger Konzern mit festem Regelwerk sei. Nach sehr intensiven 30 Minuten kann ich nur zusammenfassen, dass wir bei der Frage, was es bedeutet, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, keinen allgemeingültigen Konsens definiert haben. Am prägnantesten kam dies bei dem Punkt der Mittelvergabe heraus, etwa für eine Schulung. Sind es Mittel der Geschäftsführung, die ich für eine Schulung ausgebe, mein Geld aus meinem Umsatz oder Geld des Unternehmens, das “nur” von der Geschäftsführung verwaltet wird? Zu diesem Thema gibt es vermutlich fast so viele Ansichten wie Personen, und daher war ich nicht überrascht über das Ergebnis unserer Diskussion.

Für mich war es eine sehr anregende Diskussion, und ich habe neue Aspekte erfahren, die ich im Laufe der nächsten Zeit sicherlich regelmäßig in interne Diskussionen einbringen werde. Das wir bei unseren monatlichen Company Meeting schon den Schritt von der Organisation durch die Geschäftsführung hin zur Organisation durch einzelne Mitarbeiter gegangen sind, zeigt mir, dass wir hier Schritt für Schritt vorangehen und uns weiter ausprobieren.

“Lunch”

Nach einer Mittagspause mit vielen interessanten Gesprächen, sowohl individuell als auch in kleinen Gruppen, ging es weiter mit dem Thema:

“Was tun mit Führungskräften, die Augenhöhe nicht können oder wollen?”

In der nächsten Session wurden zwei Themen zusammengelegt, neben “Was tun mit Führungskräften, die Augenhöhe nicht können oder wollen?” wurde die ähnliche Frage “Von der Hierarchie zur Augenhöhe” integriert.

Besser als ein Text von mir können sicherlich die Flipcharts den Verlauf der wirklich sehr guten und interessanten Diskussion wiedergeben. Der obere Teil stellt dabei die Frage nochmal etwas anders dar: Wie kommen wir von einer hierarchischen Organisation, der Pyramide, über eine Handvoll Schritte zu einem agilen, vernetzten Unternehmen, hier als Star Map bezeichnet?

Dabei zeichnete sich ab, dass es keinen geraden Weg geben wird, sondern dass entlang von unterschiedlichen Wegen immer auch Rückschläge zu erwarten sind, und eine der wichtigsten Herausforderungen sein wird, diese Rückschläge auszuhalten und den Weg konsequent weiter zu verfolgen, um das Ziel zu erreichen.

“Demokratisch geführt werden, ist das was für jeden?”

Daran schloss sich die Frage an, ob demokratisch geführt zu werden, etwas für jeden ist. Schon bevor die eigentliche Session gestartet war, hatte ich das Glück, eine interessante Diskussion zu dieser Frage zu führen: Nein, es ist nicht für jeden das Richtige, demokratisch geführt zu werden. Die Frage nach dem warum konnten allerdings auch wir nicht beantworten, sondern mussten dies zukünftigen Runden überlassen.

In der Session ging es dann um ein ganz konkretes Beispiel, und es wurden viele Ideen gesammelt, die Unternehmen und/oder Personalabteilungen helfen könnten, ein Unternehmen demokratischer zu machen und dabei möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu involvieren.

“Wie werden Mitarbeiter und Führungskräfte agil?”

Meine letzte Session war vor allem durch die Moderationsmethode gekennzeichnet, bei der jeder Teilnehmer eine feste Frage zugewiesen bekam und wechselnde Personen dazu interviewen sollte. Die so gewonnenen Ergebnisse wurden dann in Stichworten gesammelt und wären gerne noch diskutiert worden, aber leider lief uns die Zeit davon.

Danach gab es noch eine gemeinsamen Abschiedsrunde mit dem Fazit, dass es eine tolle Veranstaltung war, alle sich schon auf die nächste Runden freuen und für die, die bis zum Schluss geblieben sind, gab es noch eine Führung durch das Skydeck.

Mein persönliches Fazit:

Großartige Veranstaltung, interessante Teilnehmer, tolle Themen und ein sehr kompetentes Organisationsteam. Nur meine Stimme hat es nicht ganz überstanden – am Tag darauf viel das Sprechen noch ein wenig schwer, so sehr regte das Barcamp zum Diskutieren an.

Weiterführende Links

Mehr zum Augenhöhecamp auf Twitter unter

#ahcfra16

Augenhöhewege der Film

http://augenhoehe-wege.de/

Eine sehr gute Stichwortsammlung zum Film und Camp

http://bit.ly/AugenhoeheWege2016

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