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Across the globe – Global Delivery: Namaste – Zwei Wochen Indien und zurück

Veröffentlicht am 03.11.2015 von Ireen Raue , Global Delivery

Ereignisreiche zwei Wochen, die kaum Zeit ließen, die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten. Vollgepackt mit viel Arbeit, wenig Schlaf und einer Unmenge an neuen Erfahrungen und Erkenntnissen in der Zusammenarbeit mit unseren indischen Kollegen.

Im Februar ging es für zwei Wochen nach Pune in Indien. Pune ist eine der “kleineren” Millionenstädte. Über drei Millionen Menschen leben allein im eigentlichen Stadtkern und nochmal circa fünf Millionen Einwohnern im Umland.

Ein Großteil der hier ansässigen Firmen ist aus der IT-Branche, wohl auch aus dem Grund, weil die Universität in Pune als eine der besten des Landes gilt und immer noch mehr IT-Fachleute gesucht werden als Absolventen zur Verfügung stehen.

Auf in die Arbeit

Nach einem langen Flug und einer kurzen Pause mit drei Stunden Schlaf in Mumbai ging es auf eine abenteuerliche Fahrt von Mumbai nach Pune und direkt in den ersten Arbeitstag.

Als erstes gab es eine große Kennenlernrunde mit allen Mitarbeitern des indischen Teams, die auf uns wohl ebenso neugierig waren wie wir auf sie. Wir wurden herzlich willkommen geheißen und fürsorglich betreut für den gesamten Aufenthalt.
Die vielzitierte indische Gastfreundlichkeit hat sich bestätigt: Immer wieder wurde nachgefragt, ob wir alles haben, was wir brauchen. Bei der Essensauswahl in der Kantine stand immer jemand beratend zur Seite, in den meisten Fällen wurden wir sogar eingeladen und jederzeit wurden Taxis organisiert.

Auf den ersten Blick wirkten die Großraumbüros für uns eher ungewohnt, aber es war erstaunlicherweise bei Weitem nicht so laut wie vermutet, und es gab auf jeder Etage mehrere Video-Konferenzräume mit zwei mindestens 40″ großen Bildschirmen und Webcam – also bestens ausgestattet für die internationale Zusammenarbeit. Zwei dieser Räume waren dann auch für uns reserviert, um einen ungestörten Knowledge Transfer durchführen zu können.
Nachdem der erste Tag eher mit organisatorische Dinge verging, ging es am zweiten dann richtig los mit der Wissensübergabe. Alle hörten konzentriert zu und versuchten, so viel wie möglich mitzunehmen. Für uns hieß es, fast durchgehend zu referieren – eine gute Möglichkeit, das etwas eingerostete Englisch wieder zu aktivieren. Wenn wir in der ersten Woche noch so manches Mal nach den richtigen Worten gesucht hatten, haben wir in der zweiten Woche schon fast auf Englisch gedacht.

Vorbereitung ist alles

Wie wir aus Unterhaltungen feststellen konnten, wurden die indischen Kollegen auf unseren Besuch gut vorbereitet.

Auf unserer Seite war das zeitlich schwieriger zu realisieren, so dass ich jedem nur raten kann, für die Vorbereitung einer Indien-Reise etwas Zeit einzuplanen. Einige der Inder konnten sogar ein paar Worte Deutsch sprechen. Das einzige, das ich vorweisen konnte, war ein “Namaste” zur Begrüßung. Ein Interesse an der indischen Kultur und Sprache oder sogar ein paar Worte auf Hindi sind auf jeden Fall ein guter Einstieg für eine persönliche Beziehung untereinander.

Was man auch sehr häufig liest, ist, dass für Inder eine persönliche Beziehung auch auf geschäftlicher Ebene sehr wichtig ist und meist erst über private Dinge geplaudert wird, bevor man auf das Geschäftliche zu sprechen kommt. Ich denke, dass hier die Vorbereitung eine gewisse Zurückhaltung auf indischer Seite ausgelöst hat. Solange wir im Büro saßen, gab es kaum private Unterhaltungen, dafür wurden wir dann beim Essen mit Fragen gelöchert. Hier sollte man auch tatsächlich auf jegliche Themen der Arbeit verzichten und sich die Zeit nehmen für private Gespräche.

Und dann war da noch das typische Frauenproblem: Was ziehe ich an?

Normalerweise ist das für mich kein Problem, aber als es hieß, es gehe nach Indien, habe ich darüber tatsächlich eine ganze Weile nachgedacht. Was darf man als Frau in Indien anziehen, ohne aufzufallen? In den verschiedenen Ratgebern liest man dann: Nicht schulterfrei und kein Bein zeigen, also keine kurzen Röcke oder Hosen – was übrigens auch für Männer gilt. Das hat das Ganze nicht einfacher gemacht, da wir aus einem kalten Winterwetter in Deutschland in ein über 30°C warmes Indien geflogen sind.

Im Nachhinein betrachtet, war es dann doch kein Problem, da wir fast die ganze Zeit in ziemlich kalt klimatisierten Räumen saßen und eine Bürojacke definitiv nicht fehlen durfte – also die gleiche Businesskleidung wie in Deutschland auch, nur eben nicht mit Rock, sondern lieber mit Hose, wobei all diese Dinge in einer großen Stadt wie Pune auch nicht mehr so streng gesehen werden. Selbst die Inder im Büro waren zu ca. 50% eher westlich gekleidet, also in Jeans und T-Shirt.

Bestätigte Klischees

Irgendwo habe ich gelesen, dass wohl um die 80% aller Indienreisenden einmal auf ihrer Reise unter Reisedurchfall leiden. Also war ich hier besonders vorsichtig. Kein Wasser aus der Leitung, nur aus original verschlossenen Wasserflaschen, nur gekochtes Essen, regelmäßig die Hände waschen.

Wahrscheinlich auch begünstigt durch die anstrengende Anreise, den Schlafmangel und den großen Temperaturunterschied und das nicht nur zwischen Deutschland und Indien, sondern auch zwischen den klimatisierten Räumen und draußen, hab ich am Ende der ersten Woche einen Tag das Hotel nicht verlassen können. Es ist also sehr wichtig, eine gut ausgestattete Reiseapotheke dabei zu haben.

Was absolut keine Untertreibung ist, ist der Verkehr in Indien. Alles was man hört und sich kaum vorstellen kann, stimmt. Jede Fahrt vom Hotel ins Büro und zurück war aufs Neue aufregend. Ich würde mir niemals zutrauen, hier ein Auto oder gar auf dem Motorrad zu fahren. Selbst über die Straße zu gehen, ist für uns Europäer eine fast unlösbare Aufgabe. Aber nichtsdestotrotz haben wir nicht einen einzigen Unfall gesehen, auch wenn man in einigen Situationen schon fast das Blech hat klappern hören.

Ein kleinwenig Freizeit gab’s dann doch

Auch wenn eigentlich nicht viel Zeit für Privates blieb während unseres Aufenthaltes, haben wir es doch wenigstens an einem Tag geschafft, uns einen kleinen Teil von Pune anzusehen.

Ganz zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass hier die letzte Ruhestätte von Gandhi in einem kleinen Hinterhof eines Gandhi-Museums versteckt liegt. Wer hätte das gedacht!

Und selbst für diesen Tag haben einige der indischen Kollegen ihre Freizeit geopfert, um uns ein wenig herumzuführen. So haben wir neben dem Gandhi Museum auch einen Felsentempel besichtigt, waren etwas shoppen und haben dann den Abend gemeinsam in einer sehr schönen Bar ausklingen lassen.

Außerdem gab es dann noch am letzten Abend vor unserer Abreise einen gemeinsamen Restaurant-besucht mit dem gesamten Team. Eine gute Gelegenheit sich mit den Leuten auch mal ein wenig mehr privat zu unterhalten.

Fazit

Gerade, wenn man die kurze Zeit vor Ort so optimal wie möglich ausnutzen möchte, ist eine gute Vorbereitung unerlässlich. Aber trotz dass diese bei uns doch etwas kurz geraten war, sind die zwei Wochen in Pune ein unbeschreibliche Erfahrung gewesen.

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Across the globe – Global Delivery: Erfahrung aus über einem Jahr Mitarbeit in einem Off-Shore Projekt

Veröffentlicht am 30.06.2015 von Andreas Pohl , Global Delivery

In immer mehr Projekten wird die Entwicklungsarbeit an IT-Firmen in Indien abgegeben. Dieses Outsourcing birgt neben den vielen Vorteilen auch einige Herausforderungen, denen wir uns gestellt haben und immer noch stellen.

Global Delivery und die damit verbundene Fähigkeiten, gleichzeitig Kosten zu senken und den Projektoutput zu steigern, ist eine Modell, das in den letzten Jahren und fast schon Jahrzehnten den Alltag und die Vorgehensweise in IT-Projekten prägt.

Neben den vielen Vorteilen wie:

- Hohe Verfügbarkeit von sehr gut ausgebildeten Fachkräften und IT Spezialisten
- Die Kombination aus On-Site- und Off-Shore-Ressourcen ermöglicht ein attraktives Preismodell.
- Erhöhte Kapazität durch “Follow the sun” Ansatz und der damit deutlich verlängerte Projektarbeitstag aufgrund der Zeitverschiebung innerhalb der Zeitzonen
- Erhöhung der Flexibilität und Fähigkeit, schneller auf Kundenwünsche und sich verändernde Märkte einzugehen

muss man sich der Herausforderungen bewusst sein, die solch ein komplexes Arbeitsumfeld mit sich bringt.

Vor circa eineinhalb Jahren wurde begonnen, in die Entwicklung eines der Projekte, an dem wir maßgeblich mitwirken, Off-Shore-Kollegen in Indien einzubinden.

Ziel war, innerhalb von sechs bis neun Monaten das Projektwissen an die Kollegen aus Indien zu übergeben und sie damit zu befähigen, die Entwicklungsaufgaben fortzuführen. Aufgrund der Komplexität des Projektes und der ständigen rasanten Neu- und Weiterentwicklung gibt es immer wieder Bereiche, die neu erschlossen und auch gemeinsam erarbeitet werden müssen. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, haben wir den Projektentwicklungslebenszyklus (SDLC) innerhalb des Projekts angepasst und agiler gestaltet. Über neu eingeführte Discovery Tracks besteht vor jedem Entwicklungsstrang die Möglichkeit, Wissen zu erneuern oder komplett neu aufzubauen.

Technisch gesehen macht es in der heutigen Zeit keinen großen Unterschied, wo man selbst und wo die Kollegen arbeiten. Mit WebEx und Telefon/Video-Konferenzen ist auch eine Zusammenarbeit über Kontinente kein unlösbares Problem mehr, und die technische Ausstattung auf indischer Seite ist zum Teil sehr beeindruckend.

Für die Anfangszeit ist es aber immer gut, auch persönlichen Kontakt zu haben, und so sind ein Teil der indischen Kollegen für ein paar Wochen nach Deutschland gekommen, um sich bei uns einzuarbeiten und die Gegebenheiten besser zu verstehen.

Interkulturelle Missverständnisse

Die ersten Herausforderungen zeigten sich dann sehr schnell in der Kommunikation miteinander. Nachdem man sich nach anfänglichen Schwierigkeiten an die unterschiedliche Aussprache des Englischen gewöhnt hatte, musste man feststellen, dass manche Missverständnisse nicht nur an der Fremdsprache lagen.

Hier ein paar Beispiele:

Jedem seine Zeit:

Auf deutscher Seite wird davon ausgegangen, dass ein Termin eine feste Verabredung ist. In Indien dagegen ist es ein “Ungefähr”, um allen Teilnehmern die Zeit zu geben, die sie brauchen, und so ist es nicht ungewöhnlich, wenn solche Termine deutlich später losgehen als vorher geplant.

Der Wissende hat immer Recht:

All das Wissen, das man weitergibt, wird aufgesogen, ohne etwas in Frage zu stellen. Um sicherzugehen, dass die Erklärungen auch verstanden werden, sollten immer konkrete Rückfragen gestellt werden, um eventuelle Missverständnisse auszuschließen.

Der Chef (Vorgesetzte) hat immer Recht:

Die Herangehensweise und Vorbereitung einer Entwicklungsaufgabe, wie sie zuvor im Projekt gehandhabt wurde, musste komplett überarbeitet werden. Einem deutschen Entwickler wurde meist eine nur halbfertige Aufgabenstellung “hingeworfen”, und fehlende Informationen mussten selbst besorgt werden. Für einen indischen Entwickler ist das, was vom Vorgesetzten kommt, aber nicht in Frage zu stellen, und so gibt es hier wie auch schon beim Wissenstransfer gar keine oder nur wenige Rückfragen. Das heißt, die Aufgabenstellung muss immer so konkret wie möglich formuliert sein.

Nur kein Stress:

Was man auf jeden Fall von den indischen Kollegen lernen kann, ist gelassen zu bleiben. Ob Zeitdruck, viel Arbeit oder nörgelnde Kollegen, einen Inder bringt eigentlich nichts aus der Ruhe. Wenn bei uns bei einem näher rückenden Termin häufig Panik ausbricht, macht uns meist die Gelassenheit der indischen Kollegen nur noch hektischer.

Fazit

So eine Zusammenarbeit sollte auf beiden Seiten gut vorbereitet werden, damit die verschiedenen Ansichten und Einstellungen nicht zu Frustrationen führen. Leider ist diese Vorbereitung auf jeden Fall auf deutscher Seite deutlich zu kurz gekommen. Durch gesammelte Erfahrung und eigene Recherchen zur interkulturellen Zusammenarbeit wurde so manches Missverständnis im Nachhinein erklärbar.

Als Ergebnis des vergangenen Jahres kam dann die Einsicht, über eine Reise nach Indien den persönlichen Kontakt intensiver herzustellen und damit die Zusammenarbeit zu erleichtern und zu verbessern. Die Erfahrung aus dieser Reise gibt es in einem der folgenden Blogbeiträge.

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